in Gesellig

Berlin ist doch spießig

Nun ist es mir auch endlich passiert. Ich war auf einer Geburtstagsfeier, die durch die exekutive Staatsgewalt leider viel zu früh unterbrochen und beendet worden ist. Über die Rechtfertigung dieses Einsatzes möchte ich mich bewusst nicht äußern, aber über die Umstände dieses Abends.

Grund der Festlichkeiten war der Geburtstag eines Freundes von mir. Dieser Metropolitaner
hatte Leute aus der ganzen Welt eingeladen. Ich war noch nie auf einer Festivität in Deutschland, bei der ich Angst hatte, dass meine Sprachkenntnisse nicht ausreichen würden um den Abend Getränke zu bestellen, oder auch die richtige Reihenfolge der Klo-Schlange zu erfragen. Aber irgendwie klappte es doch. Der Mensch ist halt doch anpassungsfähig
Wie das aber bei einer Party so ist, entwickelt diese eine gewisse Eigendynamik mit entsprechender Lautstärke. Obwohl im Vorfeld alle Nachbarn informiert wurden und diese angeblich kein Problem damit hatten, standen irgendwann die zwei freundlichen Herren der Polizei vor der Tür. Sie verlangten mit den Verantwortlichen zu sprechen. Aber Obacht! Sie wollten nur mit einem deutschen Staatsbürger reden. Denn als sich eine der Verantwortlichen mit österreichischem Migrationshintergrund der Befragung stellen wollte, wurde nach einem kurzen Blick in den Pass doch sehr unfreundlich nach einem deutschen Verantwortlichen verlangt. Die entsprechende Person kann übrigens sehr gut Deutsch sprechen.
Nach einem ersten Klärungsgespräch konnte gesittet weiter gefeiert werden. Die Fenster wurden geschlossen und die Lautstärke gedrosselt. Aber da war wieder das Problem mit der Eigendynamik und die Polizei stand mit acht Männer und Frauen wieder vor der Tür.
Sofort wurde der Amtston lauter und ungehaltener. Angeblich waren sie bereits zum dritten Mal da. Der Gastgeber konnte das aber nach Rückfragen der Kiosk-Redaktion nicht bestätigen. Zumindest ist bis heute unklar, mit wem dieser zweite Kontakt zwischen Polizei und unbekannter Person stattgefunden haben soll. Vielleicht waren die Polizisten auch nur etwas gefrustet. Das würde auch die demolierte Tür bestätigen. Komisch, denn die Klingel haben Sie ja beim ersten und beim „zweiten“ Mal gefunden und benutzt.

So kann Klopfen auch aussehen.
So kann Klopfen auch aussehen.

Nach einigen Diskussionen, auch mit der Hilfe von anwesenden Personen mit juristischem Hintergrund, mussten wir innerhalb von sieben Minuten die Wohnung verlassen. Besonders schön war der Gang aus dem Haus heraus. Hier hatten sich einige neue Polizisten aufgestellt, um Spalier zu stehen. Interessanterweise der Fahrer des Mannschaftstransporters nicht. Der blieb nämlich schön im Auto sitzen.
Auf der Straße angetroffen wartete man nun die Entwicklung ab. Nach kurzer Zeit entschied man sich dann aber doch für eine gastronomische Alternative. Man wollte hier schließlich auch nicht gegen das Versammlungsrecht verstoßen und eventuell einen noch größeren Polizeieinsatz provozieren. Der Mannschaftswagen und der Streifenwagen waren nach unserer Meinung schon ausreichend.

Was bleibt ist eine geile Party und ein überraschender Weise doch spießiges Bild von Berlin.

 

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  1. mett 13. April 2016 Reply

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